Straubing zur Zeit der Kelten

 


Kelten vor einer
"oppida" umgeben von der "murus gallicus".
 Quelle: www.thesoulofcelt.de

"oppida" Siedlung

Die Gründung der ersten keltischen Siedlungen in der Gegend des heutigen Straubing fällt in den Übergang von der Hallstatt- zur Latènezeit. Sie wurden offenbar nach der Abwanderung der hallstattzeitlichen Bevölkerung zu Beginn des 5. Jhs. v. Chr. neu angelegt.
Die Lebensgrundlage der früh latènezeitlichen Bevölkerung war in erster Linie die Landwirtschaft, für die der fruchtbare Gäuboden beste Voraussetzungen bot. Die günstige Lage an einer Schnittstelle mehrerer Fernhandelswege trug ebenso entscheidend zum Wohlstand der Bevölkerung bei.





Diese Siedlungsplätze wurden im Zuge der Keltenwanderungen am Ende der Früh-La-Tène-Zeit verlassen. Neue Siedler, archäologisch v.a. durch Grabfunde belegt, nahmen die fruchtbaren Siedlungsplätze in Besitz.

 

 Seit dem späten 2. Jh. v. Chr. trieb die keltische Welt allmählich ihrem Untergang entgegen. 121 v. Chr. richteten die Römer in Südgallien ihre erste Provinz ein, ein erster Keil, der von Süden gegen die keltische Welt getrieben wurde. Von Norden drangen die sich ausdehnenden Germanen in die keltische Welt ein. So kamen die Kimbern und Teutonen auf ihrem Zug um 120 v. Chr. auch durch Südbayern. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich hier Auseinandersetzungen um Sorviodurum abspielten. Während des 1. Jh. v. Chr. nahmen die Bedrohungen zu. Germanische Einfälle von Norden und die Expansionspolitik Roms erschütterten das Wirtschaftssystem schwer. Mit den caesarischen Eroberungen waren Veränderungen erreicht, die vermutlich das gesamte bis dahin aufgebaute Wirtschaftssystem zum Erliegen brachten.
In der zweiten Hälfte des 1. Jhs. v. Chr. wanderte ein großer Teil der Bevölkerung Süddeutschlands in Regionen ab, die vom wirtschaftlichen Zusammenbruch dieser Zeit weniger betroffen waren. In Straubing scheint aber zumindest eine Restbevölkerung ansässig geblieben zu sein, da der aus römischer Zeit überlieferte Ortsname „Sorviodurum“ auf ein Fortleben der keltischen Bevölkerung schließen lässt.

Nach C. Tappert

Römerkastell "Sorviodurum"  am nassen Donaulimes


Stilisierter Nachbau des südlichen Kastelltores als Eingang zum Römerpark
 

Im Jahre 15 v.Chr. erteilte Kaiser Augustus den Befehl zur Eroberung des heutigen bayerisch-schwäbischen Voralpengebiets. Bis zur endgültigen Stationierung römischer Truppen an unserem Donauabschnitt in der neuen römischen Provinz Rätien mit Augsburg (Augusta Vindelicum) als Hauptstadt, dauerte es jedoch noch etwa 40 Jahre, dann erst wurde der Fluss zur Grenze des Imperiums durch Anlage von Kastellen und Zivilsiedlungen. Damit begann auch die Geschichte des römischen Lagerortes Sorviodurum / Straubing am osträtischen Donaulimes. Seine Bedeutung verdankt das in der Tabula Peutingeriana (Kopie einer antiken Straßenkarte) verzeichnete „Sorviodurum“ einem Donauübergang vom Gäuboden nach Böhmen, aber auch dem Flusshafen sowie der Donau-Südstraße (Trajan Strasse). Auf der Niederterrasse entstand östlich der Einmündung des Allachbachs in ein Altwasser der Donau schon in der frühen Regierungszeit von Kaiser Vespasian (69-79) ein Kastell für die 2. Räterkohorte, eine 500 Mann starke Infanterieeinheit. Obwohl nicht wie Regensburg zur Bedeutung einer „Stadt" erhoben, kann sich Straubing angesichts seiner römischen Geschichte und der Zeugnisse aus dieser Epoche mit Recht als „Römerstadt" bezeichnen.  Zeitweise bestanden zwei Kastelle nebeneinander. Der wichtigste Kastellbereich war das schon keltisch besiedelte Ostenfeld, dessen Reste noch heute im Boden schlummern und nun im Rahmen der Anlage eines archäologischen Parks ans Licht gebracht und zugänglich gemacht werden. In seiner Blütezeit im 2. und beginnenden 3. Jahrhundert n.Chr. waren hier 1000 Soldaten stationiert. Eine der Besatzungen war möglicherweise die 3. Bataverkohorte, eine 1000 Mann starke Infanterieeinheit, aus der römischen Provinz Belgica, von der zwei Ziegelstempel aus Straubing bekannt sind. Auf diese Truppe folgte die 1. Canathenerkohorte, eine in Syrien ausgehobene Spezialeinheit von 1000 Bogenschützen, von der sich zahlreiche Ziegelstempel und eine Inschrift fanden. Sorviodurum besaß an der  Mündung des Allachbaches ein Kriegshafen der römischen Flotte, einen weiten Vicus Bereich, das heißt eine Zivilsiedlung, Gräberfelder an den Zugangsstraßen und Villa rusticae, d.h. Bauerngüter im Hinterland. Die Romanisierung brachte die überlegene römische Zivilisation, deren Errungenschaften allerdings auch Begehrlichkeiten bei germanischen Stämmen wie den Markomannen und Alamannen weckten, die nach der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts und in der I. Hälfte des 3. Jahrhunderts auch unsere Grenze stürmten und die Donauorte zerstörten. Von den Markomannenkriegen in den 70er Jahren des 2. Jahrhunderts wurde Sorviodurum schwer getroffen. Das Westkastell der 2. Raeterkohorte ging in Flammen auf, die Truppe wurde in den Kämpfen aufgerieben. Große Teile des Lagerdorfes wurden zerstört. Nach den Markomannenkriegen (182 n.Ch.)  verblieb die 1. Canathenerkohorte in Straubing. Trotz Krisen und Bevölkerungsrückgang in der Spätantike dürfte sich jedoch römisches Leben um das Burgartige Kastell auf der Erhöhung von St. Peter noch bis in das 5. Jahrhundert hinein erhalten haben. In ihm waren Germanen, die im Dienste Roms standen, stationiert. Das Kastell blieb bis gegen die Mitte des 5. Jahrhunderts mit Truppen belegt und wurde dann geräumt.
Quellen Text:
http://www.bayerischer-wald-verein.de
                        
http://www.gaeubodenmuseum.de/index.cfm

Die Soldaten in Sorviodurum stammten römischer Militärpolitik der frühen Kaiserzeit entsprechend ursprünglich nicht aus dem Donau- oder Voralpenland, sondern aus fernen Provinzen des Reiches. Während Regensburg im Jahre, 179 zum Legionslager wurde und damit 6000 italienische Elitesoldaten beherbergte, waren in Straubing Hilfstruppen stationiert.
Die bekannteste Einheit war wohl die auf Kleinasien verweisende 1. Canathenerkohorte, eine Spezialtruppe mit Bogenschützen.  In der Spätantike wurden die Verbände mit germanischen Söldnern aufgefüllt.


Von hier kam wahrscheinlich die 1.Canathenerkohorte. 


Syrischer Bogenschütze in
 der römischen Armee  2./3. Jh. n.Chr.


AUXILIAR-BOGENSCHÜTZE
 


Syrische Bogenschützen "sagittarii"

Seit jeher haben sich die Römer der mit ihnen verbündeten Völker bedient, um ihre eigene militärische Schlagkraft zu erhöhen. Anfangs waren dies vor allem Latiner und Italiker, später dann zunehmend auch Völkerschaften von außerhalb der Halbinsel. Zwar werden Status, Struktur und Dienstbedingungen der Auxiliartruppen innerhalb ihrer Kohorten bzw. Alen erst durch Augustus' Heeresreform genau festgelegt, doch schon vor diesem Zeitpunkt wird die Beteiligung fremdstämmiger Verbündeter sehr geschätzt. Während die aus römischen Bürgern bestehenden Legionen die Rolle der schweren Infanterie übernehmen, die »Dampfwalze der Schachtfelder«, überlassen sie den Auxiliartruppen gerne viele andere Aufgaben, etwa die der Kavallerie. Und die auxilia übernimmt — als leichte Infanterie — gewöhnlich auch den Einsatz der Fernwaffen, in deren Handhabung sie geschickter sind: Es sind dies die Schleuder und der Bogen. Die besten Schleuderer findet man auf den Balearischen Inseln, während die berühmtesten Bogenschützen aus Kreta oder den Orientprovinzen des Reiches stammen. Die Texte und die Epigraphik geben auch über andere Kontingente von Bogenschützen Auskunft: Im Bürgerkrieg hatte Caesar gallische Ruteni (aus dem heutigen französischen Departement Aveyron) eingesetzt und während seines Feldzuges gegen die Parther syrische Hilfstruppen.
Syrien
ist im Jahr 64 v. Chr. zur römischen Provinz geworden.
Für die Zeit des Prinzipats wissen wir von Bogenschützen aus Thrakien, Kommagene, Kilikien, Moesien und auch wieder aus der Provinz Syria.


Das eindrucksvollste und weltbekannte Zeugnis für die römische Geschichte Straubings und die mit ihr verbundenen Beziehungen zur Zivilisation eines Weltreiches ist der so genannte „Römische Schatzfund" von Straubing , eine Dauerleihgabe des Landkreises Straubing-Bogen im Gäubodenmuseum mit seiner bislang in dieser Fülle einmaligen Sammlung von
Gesichtshelmmasken und Rossstirnen für militärische Reiterspiele und turnierartige Wettkämpfe. Die in und um einen großen Bronzekessel gelagerten Stücke des Fundes, von den Paraderüstungsteilen über Bronzestatuetten bis zu eisernem Handwerks- und Gebrauchszeug, wurden während der Alamannen Einfälle in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n.Chr. bei einer Villa rustica (Röm. Gutshof) in Alburg von germanischen Plünderern vergraben und erst 1950 bei Bauarbeiten geborgen.


Straubing Präsentation des Schatzfundes im Gäubodenmuseum

Lage der römischen Kastelle bei Straubing (Sorviodurum)

Allgemein zugängliches Luftbild aus http://www.wikimapia.org bearbeitet von K. Bunke
 

 Das Steinkastell und sein vicus, der das Kastell an drei Seiten umschloss, wurden im 3. Jh. zerstört. Die jüngsten Grabungen in Straubing haben weitere interessante Befunde des römischen Militärwesens ans Licht gebracht: Mehrere zu Übungszwecken von den Soldaten angelegte Lager östlich der bekannten Kohortenlager. Die Befestigung der Spätantike lag außerhalb des mittelkaiserzeitlichen Kastell- und Vicusareals auf einem Geländesporn westlich des Allachbachs, im Gebiet um St. Peter. Zugehörige Gräber wurden im Bereich Altstadt und um das Kloster Azlburg entdeckt. Ihre Belegung beginnt in der Zeit um 300 und reicht bis in die erste Hälfte des 5. Jh., wobei Gräber mit ausgeprägter germanischer Beigabenkomponente auf hier stationierte Barbarentruppen deuten.


Ostkastell, im Grabungsbild sind Teile des älteren Holztores und die darüber liegenden
Fundamente des jüngeren Steintores an der Nordseite (porta praetoria) zu erkennen (BLfD)
Aktuelle Grabungen


So in etwa könnte es mal im Ostkastell gewesen sein. (Tafel im Römerpark)

Wir sind bemüht alle Quellen anzugeben, da aber viele Informationen auch aus dem Weltnetz stammen ist es nicht immer einfach diese zu recherchieren. Sollten Sie eine Urheberrechtsverletzung (Texte, Bilder etc.) vermuten oder diese Ihnen bekannt sein, so bitten wir Sie uns umgehend zu informieren, damit wir dies berücksichtigen, aufnehmen oder entfernen können.  info(at)donauroemer.de
Die Seite ist Teil eines Framesets zur Startseite geht es HIER