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Texte und Bilder aus: http://www.archaeologie.uni-koeln.de |
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Zweite Grabungskampagne im Südvicus von Straubing
(August 2009) Die diesjährige Kampagne der Lehrgrabung im Südvicus von Sorviodurum konzentrierte sich auf die
Untersuchung
des Umfeldes um den im letzten Jahr freigelegten Apsisbau. Nördlich wurde
unter einer Brandschicht ein Erdkeller freigelegt, aus dem verschiedene
Keramik- und Glasgefäße geborgen wurden, außerdem einige Tierknochen: ein
gelochtes Schulterblatt und halbierte Schweinunterkiefer als
charakteristische und lagerfähige Produkte einer Räucherei.Das Fundensemble spricht für die Interpretation eines Vorrats- und Lagerkellers. Westlich des Apsidialbaus wurde ein Bauschuttpakt aus gelbem Lehm, großstückig zerbrochenen Ziegeln mit Brandspuren und großen Fragmenten von bemaltem Wandputz angeschnitten, das vermutlich von einer Zerstörung des Baus herrührt. Anhand der Funde lässt sich die aufgehende Wand rekonstruieren: Auf dem Steinsockel saß eine Fachwerkkonstruktion, deren Gefache mit gelbem Wandlehm ausgefüllt waren. Innen war die Wand mit einem etwa 8 cm dicken bemalten Putz versehen. Die Dachdeckung des Raumes bestand aus tegulae und imbrices. Dieser Bau, der scheinbar isoliert steht, war vermutlich in einen größeren Gebäudekomplex in Holzbauweise integriert, vielleicht ein Badegebäude oder ein Wohnhaus. |
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Forschungen im Südvicus von Straubing
Ausgrabungen haben in Straubing eine lange Tradition: Seit
Straubings Identifizierung als Sorviodurum, einem auf der tabula
Peutingeriana verzeichneter Militärstützpunkt, wurden zahlreiche
Grabungen zur Lokalisierung des Lagers durchgeführt. Wegen vielfältiger
Funde seit dem 16. Jahrhundert konzentrierten sich die Untersuchungen
auf das sog. Ostenfelde, östlich der heutigen Stadt. Mit Gründung des
Historischen Vereins für Straubing und Umgebung 1898 wurden die
Ausgrabungen systematisiert. Hierbei entdeckte Johannes Mondschein,
zeitweise Vorstand des Historischen Vereins, 1899 einen Apsidialbau, den
er noch im gleichen Jahr im zweiten Jahrbuch des Historischen Vereins
Straubing veröffentlichte. 1909 schließlich gelang auch die Entdeckung
eines Kastells.
Mit dem Anwachsen der Stadt auch nach Osten erfolgte eine kontinuierliche Erforschung gefährdeter archäologischer Denkmäler durch die Stadtarchäologie im Gäubodenmuseum Straubing. So wurde eine gute Forschungssituation der römischen Kastelle und der zugehörigen Vici und Gräberfelder erreicht. Um in der Öffentlichkeit Akzeptanz für die unter Denkmalschutz gestellten Flächen zu sichern, wurde der „Römerpark“ initiiert: Ein archäologischer Park, in dem ergrabene römische Bauten oberirdisch gekennzeichnet und teilrekonstruiert werden. Ergänzend werden Abgüsse antiker Reliefs und Skulpturen aufgestellt und durch eine Beschilderung erschlossen. In diesen Park sollte auch der 1899 ergrabene Apsidialbau integriert werden, denn so können Ausgrabungen zugleich auch die Erhaltung noch unangetasteter archäologischer Substanz garantieren. Durch geophysikalische Untersuchungen im Umfeld des Kastells wurde 2007 der Apsisbau wieder lokalisiert und seit 2008 im Rahmen einer Lehrgrabung des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln freigelegt. Zusätzlich wurde eine Fläche nördlich des Gebäudes angelegt, um eine eventuelle Einbindung des Raumes in einen größeren Gebäudekomplex zu überprüfen. Bautyp und Ausstattung des Raumes mit Wand- und Fußbodenheizung sprechen für eine Interpretation als caldarium einer Therme; der Größe nach passt ein solcher Raum in ein Bad einer Villa oder eines Kastells. Aber die fehlende Heizung unter der Apsis und die nur in Strängen und nicht flächig angelegte Wandheizung sowie eine bislang nicht nachweisbare Einbindung in ein Steingebäude lassen es aber auch möglich erschienen, hier einen Wohnraum einer gehobenen Stadtvilla zu sehen. | |
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