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Das römische Militär verfügte über ein gut funktionierendes
Sanitätswesen.
Caesar hatte dafür schon die ersten Grundlagen im gallischen Krieg
gelegt aber erst zu Augustus Regierungszeit wurde es ein fester
Bestandteil der Armee. Der Begriff des Medicus wird für
verschiedene Dienstgrade und Stellungen verwand. So kann ein Medicus
einen Rang bekleiden der dem eines hohen Offiziers (medicus
ordinarius) glich oder eines Unteroffiziers (miles
medicus).
Wie für den zivilen Bereich sind auch
für das Militär ärztliche Spezialisierungen überliefert, wie
beispielsweise zum Augenarzt (medicus
ocularius) oder zum Chirurgen (medicus chirurgus).
Diese Titel brachten zwar Vergünstigungen und höheren Sold mit sich,
aber keine Befehlsgewalt. Der Dienst im Militär war durchaus beliebt.
Nicht nur wegen der Bezahlung und dem möglichen Zuverdienst im an das
Lager angrenzende Dorfe (vicus) meldeten sich Ärzte freiwillig, sondern
auch wegen ihres Forscherdranges. Durch die im Krieg anfallende
Leichen von Barbaren konnte der
medicus seine Kenntnisse der Anatomie und der Wundversorgung immens
erweitern und festigen.
Die Eröffnung des Körpers, eines
Römischen Bürgers, war nämlich nicht erlaubt. Sie konnten ferner über die Stufe des
eineinhalbfachen Soldes (sesquiplicarius) und des
doppelten Soldes (duplicarius) bis zum
medicus ordinarius
aufsteigen, der mit dem Rang und Sold von Centurionen,
– was heute den Stabsoffizieren vergleichbar ist – ausgestattet war und
somit gegenüber dem einfachen Soldaten den zehnfachen Sold erhielt. Für eine Legion übernehmen um die
10 bis 15 Ärzte jegliche Herausforderung von
den bis zu 6000 Soldaten.
Das Wirken eines guten Medicus im zivilen Leben bezog sich in erster
Linie auf die Umstellung der Lebensgewohnheiten verbunden mit einer Art
Kneipp-Kur. Wenn das nicht den erwünschten Erfolg brachte, wurden
Medikamente eingesetzt und erst beim Ausbleiben des Erfolgs wurde
operiert. Eine Operation war riskant da man weder über Blutkonserven
noch über eine Narkose, wohl aber über Betäubungsmittel wie Opium,
verfügte.
Bekante Medici der Antike.
Hippokrates
von Kos lebte um 460 bis 370 vor Chr. Zuerst wird er bei
Platon erwähnt, was seine Bekanntheit in der antiken Welt verdeutlicht.
Allerdings ist Hippokrates nicht für alle Schriften als Autor
auszumachen, es haben sich viele unbekannte Autoren in den Schatten
Hippokrates gestellt um das "Corpus Hippocraticum"=Beschreibungen
best. Krankheitsbilder, zu erweitern. Gestorben ist er
wahrscheinlich in Larissa als Wanderarzt.
Q. Stertinius Xenophon, er
stammte von der Insel Kos, wo Hippokrates eine berühmte Ärzteschule
gegründet hatte. Xenophon hatte eine sehr erfolgreiche Praxis. Als ihn
Claudius als Leibarzt verpflichtete, musste er ihm 500.000 Sesterzen
Jahresgehalt zahlen.
Antyllos (ca. 100 n.Chr.) -
griechischer Chirurg in Rom, seine chirurgischen Methoden machen ihn
berühmt. Er beschreibt unter anderem den Luftröhrenschnitt, die Kehlkopfintubation und die
Blutstillung mit dem Glüheisen, bzw. deren Unterbindung. Antyllos übte
die nach ihm benannte Methode der Operation der Aneurysmen durch
Exstirpation aus, auch wird ihm die Erfindung der Extraktionsmethode des
grauen Stars zugeschrieben. Außer in der
Chirurgie erwarb er sich große Verdienste um die
Therapie und Diätetik.Scribonius Largus lebte in der Mitte des 1.
Jhd. n.Chr. und nahm am Claudischen Britanienfeldzug (43 n. Chr.) teil.
Auch bekannt durch seinen "Rezeptsammlungen" geschrieben zwischen 43 und
48 n. Chr.
Der Militärarzt Pedanius Dioskurides, er
wurde in der kleinasiatischen Stadt Anazarbos in der zweiten
Hälfte des ersten Jahrhunderts geboren,
nutzte seine Dienstzeit zum Beispiel um verschiedene Heilpflanzen in
fünf Bücher (De Materia Medica
)="Über Arzneistoffe" zusammenzustellen. Dioskurides
verfasste sein Werk in griechischer Sprache unter dem Titel "Peri hyles
iatrikes" oder "Perí haplón pharmákon". Diese stellte für fast
eineinhalb Jahrtausende das maßgebende Grundlagenwerk der
Pharmakologie und Pharmazie dar. Dioskurides kannte bereits die
wurmtötende Wirkung der Granatapfelrinde (Punica granatum), die
Herstellung von Opium durch Einschnitte in Mohnkapseln (Papaver
somniferum) Schlafmohn und die narkotische
Wirkung mancher Nachtschattengewächse, wie beispielsweise (Mandragora
officinarum L.)
Alraune, bei operativen Eingriffen.
Galen von Pergamon wurde 129 n. Chr. in der
kleinasiatischen Stadt Pergamon als Sohn eines Architekten und
Mathematikers geboren. Seine erste medizinische Ausbildung erhielt er in
seiner Heimatstadt, die er nach dem Tode seines Vaters verließ. Auf
seinen Reisen, z.B. nach Alexandria, vertiefte er sein Wissen und kehrte
nach Pergamon zurück um als Gladiatorenarzt zu arbeiten. Um 161/162 n.
Chr. siedelte er nach Rom um und wurde bald durch seine Erfolge in der
Oberschicht bekannt. Ab 169 n. Chr. war er auf Wunsch des Kaisers Marc
Aurel für die ärztliche Betreuung des Thronfolgers Commodus zuständig.
Seine Stellung am Kaiserhof hielt auch bis weit nach dem Tode Marc
Aurels. In seinen Schriften findet man Andeutungen, dass er noch zur
Regierungszeit (193-211) Septimus Severus gelebt hat. Generationen von
Ärzten praktizieren nach seinen Darstellungen und Methoden, selbst über
die Antike hinaus bis ins Mittelalter.
Auch Ärztinnen (lat. medicae, gr. iatrina,
iatrinê) gab es in der Antike . Ihre Tätigkeit dürfte
sich hauptsächlich auf Schwangerschaft, Geburt und den damit verbundenen
geschlechtsspezifische Vorgänge und Krankheiten beschränkt haben. Aus
den steinernen Inschriften kann man ablesen, das sie geografisch weit
gestreut waren, aber in der Masse der männlichen Ärzte, nur einen
verschwindend kleinen Bruchteil ausmachten. Inwieweit ihre
allgemeinmedizinischen Kenntnisse über die Gynäkologie hinaus
reichten, ist nur bedingt nachvollziehen. In
Michael Gasperls, "Medizin
in der Antike" , kann man lesen das,
zum Beispiel Phanostrate (erste hälfte 4. Jh. vor
Chr.), der Ruf nacheilte, niemandem Schmerz zugefügt zu haben. Zu
den ausgebildeten Ärztinnen gehörte auch Antiochis
(Kleinasiatische
Ärztin 2 Jh. n. Chr.).
Antiochis war vermutlich die
Tochter des Arztes Diodotus und praktizierte als Ärztin. Galen von
Pergamon
erwähnte Antiochis als Erfinderin von
Heilmitteln gegen Milzschmerzen, Ischias und Rheumatismus.

Skalpelle aus einer römischen
villa rustica
bei Sontheim/Brenz. Bronze und Eisen. Um 200 n. Chr. |

Hippokrates von Kos
(um 460 - 370 v. Chr.)
Römische Kopie einer Büste des
Hippokrates, Neapel, Nationalmuseum |

Galen von
Pergamon, der Grieche,
Wunderdoktor der Römer |
Eine Inschrift aus dem späteren zweiten Jahrhundert nach Christus, die
auf einem Weihealtar eingemeißelt war, lautet, aus dem Lateinischen
übersetzt, folgendermaßen
„Dem besten und größten Jupiter, dem Apollon und dem Aesculap, der Salus,
der Fortuna sei (dieser Altar) geheiligt! Für die Gesundheit des Lucius
Petronius Florentinus, des Kommandeurs der cohors IIII Aquitanorum
equitata civium Romanorum, hat Marcus Rubrius Zosimus, der Arzt der oben
genannten Kohorte, der in Ostia beheimatet ist, sein Gelübde
bereitwillig, freudig und entsprechend dem Verdienst (der Götter)
eingelöst.“
Der Militärarzt Marcus Rubrius Zosimus stellte also diesen
Weihealtar, der an den Seiten mit Reliefs geschmückt war, beim Kastell
Obernburg auf, das am Main oberhalb von Aschaffenburg gelegen ist.
Anlass der Weihung war die Erkrankung des Präfekten
Lucius Petronius Florentinus, für dessen Gesundung Zosimus zur Unterstützung seiner ärztlichen Kunst noch fünf Gottheiten
anrief, die in der römischen Welt auch als heilbringend angesehen
wurden, nämlich Jupiter, Apollo, Aesculap, Salus (Personifizierung des
Heils) sowie Fortuna (Personifizierung des Schicksals). Zosimus hatte es
aus Ostia, dem Hafen der damaligen Hauptstadt der Welt, an den fernen
Limes am Main verschlagen, wo er als römischer Bürger in einer etwa 500
Mann starken Hilfstruppe diente, die aus Nichtbürgern (peregrini)
bestand.
Um das Jahr 200 v. Chr. soll es einen Arzt mit Namen Archagathos gegeben
haben, der durch seine stümperhaften Methoden, alsbald den Beinamen "carnifex"
(Schlächter) bekommen hatt, da seine Behandlungen ausgesprochen blutig
waren.
Auch in der römischen Flotte versahen Ärzte ihren Dienst. Ob es aber für
jedes Schiff oder aber nur für das Flagschiff einen Arzt gab, ist nicht
geklärt,
bekannt ist lediglich aus einer Textstelle, dass in Ägypten kranke
Matrosen auf ihrem Schiff behandelt wurden, wo sie auch schliefen.
Die erste reine Militärarchitektur war ein Krankenhaus (valetudinarium)
das in Haltern errichtet und von 7 v. Chr. bis 9 n. Chr. benutzt wurde.
Im Valetudinarium und außerhalb des Lagers wurden die Ärzte durch
pflegerisches Hilfspersonal unterstützt.
Die Basis waren die
capsarii, die Sanitätsgefreiten,
die zwar den niedrigsten Dienstgrad innehatten, aber auch sie zählten zu den immunes und
waren von unangenehmen Arbeiten, wie Straßenbau, weitestgehend befreit.
Ihre Bezeichnung leitet sich von
der capsa her, einer festen Schachtel, in der sie
im Feldeinsatz, das Verbandmaterial bei sich trugen, im täglichen Dienst waren sie
pflegerisch tätig. Dem inneren Dienst des Valetudinariums einer
Legion, in dem etwa 20 bis 30 capsarii beschäftigt waren, stand ein
Sanitätsfeldwebel (optio valetudinarii) vor. In den erheblich
kleineren Valetudinarien der Auxiliareinheiten war ein solcher
optio
nicht erforderlich und die Anzahl der capsarii wesentlich geringer.
Eine Grabinschrift aus Lambaesis über eine Schule für
capsarii , gibt uns
deutliche Hinweise auf eine organisierte, heeresinterne Ausbildung.
In Nordafrika gab es noch eine besondere Gruppe von Hilfspersonal,
die marsi, die in der Tradition des libyschen Stammes der Psyller
auf die Behandlung von Schlangen- und Skorpionbissen spezialisiert
waren.
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