|
Kastell Oberstimm |
Die militärische Sicherung der Donau
als nördliche Reichsgrenze
"In den großen Lagern waren Hilfstruppen (auxilia)
stationiert.
Die Grenztruppen waren in verschiedene
reguläre Einheiten (alae, cohortes) gegliedert. Die
Auxiliarsoldaten erhielten nach 25jähriger Dienstzeit das
römische Bürgerrecht (civitas romana) und das Eherecht (ius
conubii) in Form eines Diploms verliehen."
Die Kastelle waren Holz-Erde-Lager, in denen jeweils eine
etwa 500 Mann starke Truppe stationiert war.
"Das Kastell Oberstimm wurde in
den 40er Jahren gegründet, ... als Besatzung ist eine Cohors
quingenaria equitata, eine teilberittene Einheit,
anzunehmen."
Zwischen den Auxiliarlagern entlang der Donau wurden
weitere, kleinere Militärstützpunkte errichtet, z.B. auf dem
Stadtberg von Neuburg (Kleinkastell für höchstens 80
Soldaten), an der Donausüdstraße bei Zuchering (für 100-200
Mann) und bei Oberstimm. Zu den
Aufgaben dieser Truppen "gehörte neben der Überwachung von
Flußübergängen vor allem wohl die Sicherung und Kontrolle
des Verkehrs auf der Donau und der wahrscheinlich auf
vorrömischen Verkehrswegen neu ausgebauten Donausüdstraße."
"In Weichering kamen zwei Holzgebäude zutage, die zum
Gutshof eines Veteranen gehörten. Die Funde aus dieser
frühen Villa rustica datieren in die Mitte des 1. Jhs."
Ähnliche Befunde stellte man bei Gutshöfen südlich Zuchering
fest. Bild aus:
www2.rgzm.de
"Diese Plätze belegen, daß die Erschließung des Donautales
mit Gutshöfen wohl schon etwa 10-20 Jahre nach der
militärischen Sicherung der Flußgrenze erfolgte. Sie zeigen
auch, daß das Gebiet keine militärische Grenzzone, sondern
der Fluß eher eine überwachte Verkehrslinie war. Eine akute
Bedrohung dieser natürlichen Nordgrenze sah man offenbar
nicht."
Reichskrise und Reorganisation unter den
flavischen Kaisern
Nach den Bürgerkriegen 68-70 wurde das Heer von Vespasian
reorganisiert und die Kastelle an der rätischen Donaulinie
wiederaufgebaut bzw. neu besetzt. "In
Oberstimm verblieb für etwa 15-20 Jahre ein kleines
Truppenkontingent. Erst unter Kaiser Domitian (81-96) wurde
das Kastell vollständig erneuert und wieder mit einer
Kohorte belegt."
Die Eroberung des Donauvorlandes ab 80 n.Chr
Um 80 n.Chr. begann die militärische Besetzung des
Donauvorlandes.
"Das erste neue Kastell entstand wahrscheinlich in Kösching.
...
Nur wenig später dürfte das ... Lager in Nassenfels gebaut
worden sein."
Unter Domitian entstand das Kastell Pfünz.
Das Kastell Oberstimm "erfüllte
als Etappenlager Versorgungsaufgaben für die nach Norden
vorgerückten Truppen". Die beiden Speicherbauten nördlich
des Lagers dürften für die Versorgung der zwischen 101 und
106 in die Dakerkriege donauabwärts ziehenden Einheiten
gedient haben.
Um 115/120 war die künstliche Nordgrenze festgelegt. Das
Kastell Oberstimm wurde nun
endgültig aufgelassen und die Truppe abgezogen. Die
Alenkastelle in Kösching und Pförring mit ihren
Reitereinheiten überwachten die Donaunordstraße.
Die Entwicklung der zivilen Besiedlung
Die Kastellsiedlungen
"Bei den Kastellen entstanden zivile Siedlungen (vici) für
die Familien der Soldaten, für Handwerker und Händler."
Der Vicus Scuttarensium wurde im 2. Jh. der zivile
Mittelpunktort der Region.
"Der Fortbestand der Neuburger Siedlung bis ins 2. Jh.
spricht dafür, dass trotz der neuen Brücke bei Stepperg hier
weiterhin ein Donauübergang bestand.
Auch in Oberstimm blieb nach
dem Abzug der Soldaten ein Teil der Zivilbevölkerung zurück.
... Über den beiden ausgemusterten römischen Schiffen, die
in einem mit römischem Bauschutt verfüllten Brautlachbett
lagen, hatte man im nun trockenen Gelände Gebäude
errichtet."
Die ländliche Besiedlung
"Die Versorgung des Militärs und der Zivilbevölkerung in den
Zivilsiedlungen wurde in römischer Zeit durch einzeln
stehende, über das Land verteilte Gutshöfe sichergestellt."
Westlich Oberstimm wurden sechs
Gutshöfe in Holzbauweise gefunden.
Ab der Mitte des 2. Jhs wurden in großer Zahl "besonders auf
günstigen Standorten nördlich der Donau Villen gegründet.
Sie wurden wahrscheinlich zunächst in Holzbauweise
errichtet, später baute man die Haupt- und Nebengebäude dann
in Stein aus." |
Dr. Claus-Michael Hüssen und Angelika
Wegener-Hüssen M.A.
Kurt Scheuerer -
Materialsammlung zur Geschichte von Ingolstadt
Wir sind bemüht alle
Quellen anzugeben, da aber viele Informationen auch aus dem
Weltnetz stammen ist es nicht immer einfach diese zu
recherchieren. Sollten Sie eine Urheberrechtsverletzung
(Texte, Bilder etc.) vermuten oder diese Ihnen bekannt sein,
so bitten wir Sie uns umgehend zu informieren, damit wir
dies berücksichtigen, aufnehmen oder entfernen können.
info(at)donauroemer.de
Die Seite ist Teil eines Framesets zur Startseite geht es
HIER |
|